basta - Der Chinabericht von Werner Adelmann
ÜBERSICHT
-Der Flug incl. Schweinegrippen-Kurzqarantäne
-Tag 2: Thomas René und ich auf der Mauer – Abends: Essen der Original Peking-Ente
-Tag 3: Weiterreise nach Shenyang - Abends: alle zusammen Essen gehen mit der Betreuerin, Nachtmeile
-Tag 5: Rückreise nach Peking , Außenmauer verbotene Stadt und Parks
-Tag 6: Verbotene Stadt und schlendern durch die Stadt
-Tag 7: Reise nach Datong, Nachts durch dir Stadt mit leichtem Sturm
-Tag 9: Fahrt mit dem schnellen Zug nach Tianjin - kein Strand
November 2008, wir werden vom Goethe-Institut eingeladen, auf einem Festival in Shenyang/China zu singen.
Es mag nicht jedermanns Sache sein, in fremde und exotische Länder zu fliegen, doch zum Glück sind wir uns da alle einig und sagen sofort zu. Aber nur nach Shenyang und zurück? Nein, das mussten wir irgendwie anders organisieren. Wenn man schon mal da unten ist, muss man sich doch auch ein paar Tage dort umsehen. In Absprache mit unserem Terminkalender blocken wir also einen Zeitraum von 10 Tagen und beginnen uns innerlich darauf einzustellen, bald in ein kleines Abenteuer zu starten.
Einige Tage wollen wir zusammen, andere jeder für sich selbst, unterwegs sein. Klar ist im Bezug auf die Reiseplanung nur, dass wir in Peking ankommen, dort zwei Tage bleiben, dann weiter nach Shenyang fliegen, dort zwei Tage bleiben (u.a. das Konzert geben), um dann an Tag Nr. 10 von Peking aus wieder den Rückflug anzutreten.
Juni 2009, wir fliegen nach China!
René, Thomas und ich entscheiden uns für die Variante mit besonderem Thrill. Wir wissen noch am Tag des Abfluges nicht, welches Hotel wir in Peking beziehen werden. Erst im Flugzeug wälzen wir den „lonely planet“ und entscheiden uns für ein Hotel mit wohlklingendem Namen und gutem Preis.
Die Stimmung ist super. Ich bin sehr gespannt, neugierig und freue mich, dass es endlich los geht. Das Abenteuer beginnt. Ich habe mir vorgenommen, nicht zu viel Zeit mit Planung und Vorbereitung zu verbringen, sondern mich in der kurzen Zeit eher ein bisschen treiben zu lassen. Das Leben dort atmen und einfach sehen, wo es mich hintreibt. Die Augen und Ohren offen halten und Eindrücke sammeln. Spüren.
Als wir in China landen, erleben wir erst mal etwas, das ordentlich außerirdisch daherkommt. Die Schweinegrippe ist im Moment großes Thema und die Chinesen lassen niemanden aussteigen, bis nicht jeder Fluggast überprüft und als ungefährlich eingestuft wird. Mehrere in Ganzkörperschutzanzüge verpackte und mit Mundschutz ausgestattete chinesische Sicherheitsbeamte gehen also durch die Sitzreihen und scannen die Körpertemperatur jedes einzelnen Fluggastes. Sieht gefährlich aus. Die Thermometer sehen mit ein bisschen Phantasie aus wie Pistolen und der Laser, der zum Anvisieren einen roten Punkt auf die Stirn des Patienten klebt, tut sein übriges. Kuriose Situation. Nun ja, zum Glück ist alles in Ordnung und wir können nach dieser Schweinegrippen-Kurzquarantäne endlich unsere Füße auf chinesischen Boden setzen.
Peking I - basta auf den Spuren von Marco Polo:
Thomas, René und ich fahren zusammen mit dem Taxi rein in die Stadt und beziehen unser Hotel. Das zweite in der Liste der möglichen, da das erste nicht mehr existierte! …da hält man kurz mal die Luft an. Aber wo Abenteuer drauf steht, da ist dann halt auch mal ein bisschen Abenteuer drin. Kurze Dusche und schnell wieder raus. Eigentlich sind wir alle total übernächtigt und der Klimawechsel ist auch ordentlich, aber Peking, mit all seinen neuen Eindrücken, mit den Menschen, den Autos und Motorrädern, übrigens fast alles Elektrokrads, den Händlern und den bekannten Sehenswürdigkeiten, zieht uns sofort zurück auf die Straße.
Wir suchen uns was zu essen und werden fündig in einer der vielen kleinen Gässchen, in denen zum Teil Wäscheleinen über unseren Köpfen von einem Haus zum anderen gespannt sind, wo das Essen auf kleinen Feuerstellen vor dem Haus zubereitet wird und die lockere Betriebsamkeit sich positiv abhebt vom aufgeregten Verkehr der Hauptstraßen. Der Duft frisch gekochter Baozis lockt uns in eine dieser kleinen Garküchen, in denen wir schon im Reiseführer gelesen hatten und so setzen wir uns zum Erstaunen der dort Anwesenden mitten rein in die 10qm Kombüse und essen ganz hervorragend schmeckende, mit Hackfleisch gefüllte Teigtaschen.
Schließlich machen wir uns wieder auf und steuern unsere nächsten zwei Ziele an. Platz des himmlischen Frieden und verbotene Stadt. Neben den ansonsten im weitesten Sinne modernen Häusern begegnen uns immer wieder Verwaltungsgebäude, die ihren Charme einzig und allein der kommunistischen Zweckmäßigkeit verdanken. So werden wir ein bisschen eingestimmt auf den Platz, den wir als erstes besuchen wollen. Der Platz des himmlischen Frieden. Tian`anmen. Das Ding hat wirklich gewaltige Ausmaße. Groß, viereckig und platt. An drei Seiten gesäumt von Gebäuden aller Art, unter anderem dem Nationalmuseum, finden wir an der vierten das, was wir alle (also, die frühgeborenen unter uns) am ehesten mit Pershingraketen und kaltem Krieg in Verbindung bringen. Die Tribünen, die bei den großen Militärparaden Verwendung fanden. Also, ich meine, wenn man im Fernsehen Bilder aus den achtziger Jahren sieht, auf denen Militärparaden zu sehen sind, so ist dies der Platz bzw. die Straße auf der sie stattfanden. Das ist schon ´n komisches Gefühl. Keine Ahnung, wie und ob das Reisen in dieser Zeit in China bzw. Peking überhaupt möglich war und so beruhigt mich der Gedanke ein wenig, dass wir jetzt hier sind, uns das anschauen können, noch nicht im Gefängnis sind (obwohl wir ein paar Fotos schießen) und gerade keine Raketen zu sehen sind. Gerade als ich das zu Ende gedacht habe, sehen wir die Wachablösung vor dem Tor des himmlischen Friedens. Mit Stechschritt und Militäruniform ziehen drei Soldaten an uns vorbei und mir wird wieder etwas mulmig. Aber nur kurz. Insgesamt fühle ich mich gut aufgehoben und die paar Kameras, die den Platz im Auge haben...
Die verbotene Stadt beginnt quasi hinter dem Tor des himmlischen Frieden (davor, also auch von außen zu sehen, befindet sich noch der Kaiserpalast). Wir wagen einen kurzen Blick hinter die Mauer, die den riesigen Komplex umgibt, und entscheiden uns dann aber, den Besuch zu vertagen. Zu heiß. Zu müde. Zurück mit der Metro - das nächste Abenteuer, aber wir kommen gut an und treffen uns schließlich noch auf ein kühles Bier auf einer netten kleinen Dachterrasse. Glücklicherweise liegt unser Hotel in nächster Nähe zu einer angesagten Barmeile im Hutong. Jetzt noch ein kleiner Tipp in Bezug auf das Essen in China. Die Jungs mögen es alles in allem etwas derber. Das bedeutet, das Fleisch wird zum Beispiel oft in fettiger, sehniger und oder knorpeliger Ausfertigung gereicht. Auch Innereien sind keine Seltenheit. So haben wir an diesem Abend zum Beispiel das "Glück", ein paar Spieße mit gebratenen Hühnermägen serviert zu bekommen. Obwohl das Ganze auf dem Grill doch ganz lecker aussah. Also, man braucht ein bisschen Erfahrung und am besten jemand, der sich auskennt.
Bei dem, was ihr bis jetzt gelesen habt und noch lesen werdet, müsst ihr euch immer vor Augen halten, das ist alles neu, die Schrift, die Leute, das Wetter, immer wieder die alte chinesische Architektur mit ihren Pagodendächern und kunstvollen Verzierungen, das Essen, ..., eine komplett andere Kultur. New, New, New.
Ein Muss: Die große Mauer
René, Thomas und ich haben beschlossen, gemeinsam zur Mauer zu fahren. Hin und zurück ca. 100km mit dem Taxi. Zwei Stunden Fahrt (pro Tour). Hin 10:00h und zurück 17:00h für irgendwas 70 oder 80 Euro. Durch drei geteilt also gut angelegtes Geld, wenn man bedenkt, dass wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr viel länger gebraucht hätten und noch dazu zeitlich extrem gebunden gewesen wären. Wir hätten irgendwie um sechs oder so aufstehen müssen, um den richtigen Fernbus in der City zu bekommen. Da hätte also noch einiges passieren können - richtige Metro, richtiger Platz, richtiger Bus usw. und noch dazu spricht kaum einer Englisch. Wir waren also sehr froh mit unserem Taxi + Fahrer, der sogar ein paar Brocken Englisch verstand. Unsere Rezeption hat hier wie auch in anderen Zusammenhängen gute Dienste geleistet und uns ein entsprechendes Taxi besorgt. Überhaupt sind Hotels und ihr Personal eine gute Anlaufadresse, wenn man mal unterwegs ist und zum Beispiel nach dem Weg fragen muss. Sie kennen sich einigermaßen aus und können oft ein bisschen Englisch sprechen. Versucht das nicht bei Chinesen auf der Straße, die verstehen einen in den allermeisten Fällen nicht und schicken euch wer weiß wohin. Aber zurück zum Trip zur Mauer:
Guter Tag, bei Regen zu starten. Nichts los auf der Mauer. Nach 20 Minuten hört der Regen auf und wir können die lustigen Regenponchos, die wir noch am Fuße der Mauer erstanden haben, einpacken. Wir sind komplett allein unterwegs auf diesem unglaublichen Bauwerk. Der Wald und die Erde um uns herum dampfen noch den gerade gefallenen Regen aus und so gesellt sich zu dem ehrfurchtsvollen Gefühl, auf einem so alten Bauwerk unterwegs zu sein, noch etwas Unheimliches. Immer wieder ziehen dichte Schwaden Nebel über die Mauer. Vor allem in den alle paar hundert Meter vorhandenen Wachtürmen ist er deutlich zu sehen und zieht hier geisterhaft durchs Gemäuer. Spooky. Auf unserem vier Stunden dauernden Trip in die Vergangenheit sehen wir außer ein paar einsamen Händlern, die versuchen, uns T-Shirts anzudrehen, nur einige Arbeiter, die ein Stück Mauer restaurieren und drei Touristen, die uns aus der Gegenrichtung entgegenkommen. Nach zwei Stunden klart es schließlich soweit auf, dass wir sogar ein paar blaue Stellen am Himmel entdecken können. Irgendwann lassen wir automatisch ca. 100m zum Vordermann. Jeder möchte ein bisschen allein sein mit der Mauer. Ich setze mich für einen Moment. Die andern auch . So verharrt jeder eine Weile, atmet die Stille und fragt sich, was diese Mauer wohl schon so alles gesehen und erlebt hat, hier inmitten dieses Meeres aus Wald und Hügeln.
Zum Schluss noch ein echtes Highlight. Ihr kennt diese Dinger auf den Spielplätzen, auf denen man z.b. auf einem alten Autoreifen sitzend an einem Stahlseil hin und her fahren kann. Hat euch das Spaß gemacht? Dann müsst ihr das hier auch mal machen...also, wenn ihr mal zufällig an der großen Mauer seid. Keine Ahnung, 50 oder 100m über einem Stausee, lassen wir uns mit einer Art Open Air Seilbahn, nur in einem Sitzgeschirr hängend, nacheinander zur Basisstation "abseilen". Irre.
Auf der Rückfahrt rauscht uns dann wieder ein bisschen der Kopf. Hitze und Jetlag fordern ihren Tribut. Aber nicht lange. Wir beschließen, am Abend gemeinsam Essen zu gehen. Gute Aussichten. Wir gehen in ein angesagtes Restaurant, in dem die unverfälschte original Peking-Ente serviert wird. Ungewohnt in kleine Pfannküchelchen wird das bereits vom Knochen gelöste und in lustige kleine Fetzen zerrissene Fleisch eingewickelt und mit Soße und einer Art Lauch zusammen zubereitet. Selfmade. Aber zum Glück gab’s vorher eine kleine Anleitung vom Personal, die wohl irgendwie erkannt haben, dass wir Touristen sind... :-). An dieser Stelle noch ein kleiner Tipp: die Chinesen, auf jeden Fall die in Peking, essen früh. Entsprechend sind die Öffnungszeiten der Restaurants. Als die letzen Gäste werden wir so schon um neun aus dem Haus gekehrt. Schade, wir hätten gerne noch ein oder zwei Tsingtao Bier zu uns genommen. Macht nichts, die Stadt ist groß und es gibt noch einiges zu sehen. Also fahren wir zum berühmten Pekinger Nachtmarkt. Eine echte Attraktion, für die man allerdings auch ein paar Nerven braucht, denn überall werden zum Teil sehr gewöhnungsbedürftige Snacks angeboten. Vor allem zu erwähnen: Spieße mit Seesternen, mit Maden, Heuschrecken, Tausendfüßlern, Minihaien und nicht zuletzt welche mit noch lebenden Skorpionen, die zappelnd ausgestellt auf ihre Abnehmer warten, um kurz vor dem Verzehr dann immerhin doch noch frittiert zu werden. Schmeckt dann bestimmt super...
Noch einige kleine Details, die mir aufgefallen sind: Verkehrsampeln sind zum Teil mit großen Displays ausgestattet, auf denen die Sekunden bis zum Ende der Rot- bzw. Grünphasen rückwärts runter gezählt werden. Gute Idee. - Entlang der Ausfallstraßen von Peking wird viel gebaut, aber egal ob alt oder neu, an jedem Apartment hängt außen ein weißer Kasten. Die Klimaanlage. - Ich hatte es zu Beginn ja schon erwähnt, aber es ist wirklich spannend und gibt einen Ausblick auf eine Zukunft, die wohl in absehbarer Zeit auch in Europa etc. stattfinden wird. Die Elektrokrads. Sie sind hier überall und rauschen fast geräuschlos an einem vorbei. Beim Überqueren der Straßen und auch der Fahrradwege ist also immer Vorsicht geboten. Die Dinger sind schnell. - Es gibt eine Filiale von Häagen Dasz. Gerade im Vergleich zu ansonsten günstigen Preisen zwar krass teuer, aber leeecker. - Immer mal wieder fallen mir kleine rostige Trimm-dich Einrichtungen auf, die wie eine Art Spielplatz für Erwachsene am Straßenrand installiert sind. Das Beste ist, die werden benutzt. Oft sehe ich zumeist schon etwas ältere Frauen und Männer dort ihre Übungen absolvieren. In einem Land mit Traditionen wie Tai-Chi als Frühsport vielleicht keine Riesenüberraschung, aber trotzdem spannend zu beobachten. Lampignons überall.
Shenyang: Am Mittag des nächsten Tages brechen wir gemeinsam nach Shenyang auf. Im Grunde nichts dramatisch Neues. Aufstehen, duschen, Frühstück auslassen (weil mir morgens noch nicht so der Sinn nach Nudelsuppe oder Fischeintopf steht), Taxi, Flughafen. Dann Fahrt im Bus zum Hotel.
Wir sind im Holiday Inn untergebracht und genießen hier für den Moment mal wieder eine fast heimatliche Umgebung. Im Sinne der Hotelerfahrungen der letzten Jahre. Alles sehr hübsch, aber auch bekannt. Bis man aus dem Fenster schaut. Ich wohne im zwölften Stock und unter mir dreht ein riesiger Kreisverkehr seine Runden. Mitten drauf steht eine riesige Statue von Mao Tse Tung, der mit erhobenem Arm über seine Schützlinge wacht. Also, doch noch China. Kurz die Sachen abgestellt und raus. Erkunden, was der kurze Blick aus dem Fenster angedeutet hat.
Während mein Hotel in Peking in einem beschaulichen Hutongviertel, das heißt eher Altstadt-Flair mit ein- bis zweistöckigen Gebäuden lag, sind wir hier mitten drin im Großstadtgetümmel. Aber Shenyang ist nicht Peking und somit nicht ganz so groß, nicht so glänzend und nicht so olympiarenoviert. Aber trotzdem klasse, wenn man als China-Greenhorn schon Spaß an einem Straßenschild hat. Der Eindruck von Großstadt mit charmantem Landcharakter wird unter anderem hervorgerufen durch die zum Teil noch überirdische Verlegung von Strom- und/oder Telefonkabeln. Halt diese Holzmasten wie man sie nur noch selten aus alten Dörfern kennt. Ich spaziere auf die große Einkaufsstra?e die sich in nächster Nähe zum Hotel befindet. Hier alles picobello mit riesigen fest installierten Videodisplays und frischen Neonreklamen. Und dann gelange ich plötzlich in einen riesigen unterirdischen Komplex von Kleinläden. Drei Stockwerke tief hat man hier eine Art Mall in den Untergrund gehauen. Extrem. Alles blitzt und blinkt und zwischen Musik, Rolltreppen und Marktatmosphäre mit Markenbewusstsein kann man hier die neusten Plagiate von Levis, Nike und Co. erhandeln. Ach so, hier wieder ein Tipp. Ärgert euch nicht, aber als Europäer mit wenig Erfahrung bezahlt man immer zu viel. Macht nichts, es ist trotzdem noch sehr günstig und die Chinesen haben es raus, euch das Gefühl zu geben, ein echtes Schnäppchen zu machen :-).
Abends gehen wir dann alle gesammelt mit unserer Reiseführerin, die uns netterweise von Seiten der Konzertveranstalter zur Seite gestellt wurde, essen. Ein original chinesisches Lokal ohne jedweden touristischen Hintergedanken, wie wir an der chinesischen Speisekarte feststellen dürfen. Aber danach stand uns ja der Sinn. Wir bestellen querbeet, rauf und runter, und bekommen im großen und ganzen ne Menge sehr leckerer Sachen auf den Tisch. Auf dem Rückweg laufen wir wieder einem Nachtmarkt über den Weg. Vielleicht ist das auch zu viel gesagt. Eigentlich sind es eher drei bis vier Imbiss-Stände, die locker improvisiert Tische und Stühle auf die Straße gestellt haben. So sitzen wir noch eine Weile im Licht der Neonreklamen beisammen und freuen uns bei ein paar Bier, dass wir hier so Nachts um 12h in T-Shirt und Shorts sitzen können, es immer noch zu heiß ist und dass wir am morgigen Tag ein Konzert geben werden, in einer Stadt, in der uns kein Mensch versteht und ca. 8000km von zu Hause entfernt.
Das Konzert:
…vielleicht erst mal kurz ein paar Hintergrundinfos zur Veranstaltung selbst:
Die dreijährige Veranstaltungsreihe "Deutschland und China - gemeinsam in Bewegung“, in deren Rahmen auch die Konzerte statt finden, ist gekoppelt an eine Ausstellung mit dem Namen „deutsch-chinesische Promenade“. Sie ist das Herzstück der Veranstaltungsreihe und macht jeweils mehrere Monate Station in insgesamt sechs Städten. Drei Jahre - sechs Städte. Deutsche Firmen stellen hier in messeähnlichen Pavillons ihre Ideen zum Thema „nachhaltige Urbanisierung“ vor. Die Träger sind u.a. das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Wenn ihr mehr erfahren wollt, dann schaut doch mal hier vorbei: www.deutschland-und-china.com. Ihr könnt noch mehr über die Hintergründe erfahren und es gibt ne Menge schöner Bilder der Konzerte zu sehen. Um ehrlich zu sein, ich war selber ordentlich überrascht, als ich gesehen habe, dass z.b. Juli, Klee und Cluseo auch schon mit von der Partie waren.
aber jetzt zurück:
Ich lasse es langsam angehen. Lange ausschlafen und dann noch ein bisschen ins Städtchen. Die unterirdische Ladenstadt hat es mir angetan und so verbringe ich noch einige Zeit dort, um mir die Leute und die Läden anzuschauen. Eine Etage ist komplett für die Gastronomie reserviert, und nachdem ich keine verdächtigen Skorpione in den Auslagen entdeckt habe, kaufe ich mir ein paar Hühnerspieße, die auch tatsächlich Hühnerspieße sind.
Soundcheck um 14:00h. Der Park in dem das Konzert stattfindet, ist fußläufig erreichbar und so treffe ich mich mit den anderen am Hotel, um mich mit dem Shuttle dorthin fahren zu lassen. Na ja, hat ja auch ne gesellige Komponente. Außerdem weiß man so besser, wie man am schnellsten Backstage kommt, wo die Garderoben sind usw. . Es ist alles bestens organisiert. Wir werden sehr herzlich empfangen und nachdem Martin und Andreas sich um die technischen Details gekümmert haben, geht es auch schon auf die Bühne. Nicht, dass es vorher nicht schon aufregend war, schließlich haben wir schon mal vom Zuschauerraum aus die Bühne betrachtet und uns ausgemalt, wie es sein würde, am Abend vor ca. acht bis zehntausend chinesischen Zuschauern zu spielen. Aber auf der Bühne selbst wird es einem dann nochmal stärker bewusst. Immerhin sind wir gut aufgehoben. Hier sind nur echte Profis am Werk. Alles Leute mit Festivalerfahrung. Hier weiß jeder was er zu tun hat...aber wissen das auch wir...und wissen das die Zuschauer?? Wir sind zum Glück alle viel zu geflasht von dem ganzen Chinading, als dass uns solche Gedanken zu lange beschäftigen würden. Wir sind guter Dinge und freuen uns wie Tier auf den Abend.
18.06.2009 - 19:35h it´s showtime:
Nach dem Soundcheck haben wir noch ein wenig Zeit. In die Stadt, unter die Leute, was sonst?! Aber schon um 17:00h treffen wir uns wieder, um auf keinen Fall zu spät zu sein. Man weiß ja nie, was einem in einer fremden Stadt so passieren kann (Leute, Verkehr, Staatssicherheit…). Also haben wir ordentlich Puffer mit einkalkuliert. In dem Maß, in dem es draußen voller wird, reichert sich das Adrenalin in meinem Körper an. Den anderen geht es genauso. Abwechselnd laufe ich im Kreis, hüpfe ich ein bisschen, gehe zur Bühne um zu schauen, kehre ein bisschen aufgeregter zurück, um dann wieder ruhiger zu werden, weil ich mir einrede: es ist doch eigentlich alles so wie immer.
Schließlich ist es soweit. Wir werden angekündigt. Natürlich auf Chinesisch. Gut. So kann ich etwas Abstand gewinnen und ruhig auf die Bühne gehen. Aber dann... irgendwas so um die 10.000 Chinesen haben totalen Bock, die Sau raus zu lassen und klatschen, winken und zeigen uns mit offenen, begeisterten Gesichtern, dass sie sich auf unseren Auftritt freuen. Toll. Wir legen los und vom ersten Moment an ist alles klasse. Es wird mitgeklatscht, gegrölt, aufmerksam zugehört und auch mitgelesen, denn auf einem riesigem Bildschirm wird der Auftritt übertragen und vor allem jeder Text ins Chinesische übersetzt angezeigt. Na gut, die Pointen schlagen jetzt nicht gerade wie Bomben ein, aber das war auch nicht zu erwarten, die Leute starren ja nicht die ganze Zeit auf den Bildschirm. Aber das Publikum hat große Lust, Spaß zu haben und das entspannt erheblich. So feiern wir gemeinsam 50 Minuten basta Konzert in China. Das Sahnehäubchen ist dann unser extra einstudierter Song auf Chinesisch. Bis zum Schluss wissen wir nicht, was wir da eigentlich singen. Aber egal, die Chinesen wissen es und zeigen ihre Begeisterung lautstark. Nach zwei Zugaben haben wir es geschafft und sind überglücklich, dass alles so gut funktioniert hat.
Die Anspannung fällt jetzt vollends von mir ab und ich renne die nächsten 30 Minuten mit Dauergrinsen durch die Gegend. Der Abend fängt aber erst an. Nach uns spielen noch zwei andere Bands. Das sind zum einen "Fotos" (eine Band aus dem Hamburger Raum) und "In Extremo". Ich schaue mir beide Konzerte aus dem abgesperrten Bereich direkt vor der Bühne an und muss sagen, dass ich Ewigkeiten nicht mehr soviel Spaß hatte. Die ganze Stimmung hat mich total umgehauen. Die Bands waren beide hammer und das Publikum ging total ab. Was für ein Abend...
Peking II
Das nächste mal: Bus, Flughafen, Taxi, und ich bin zurück in meinem Hotel. Während William und Thomas sich nach Shanghai begeben, habe ich mich dazu entschlossen zurück nach Peking zu fahren. Zwei, also eher doch nur ein Tag in dieser Stadt haben mir nicht gereicht. Auch René und Martin fliegen zurück, um von hier aus weiter zu schauen, während Andreas sich schon auf den Heimweg macht.
Als ich in Peking ankomme, scheint die Sonne. Richtige Entscheidung. Nach den ersten zwei Tagen, die schwül und dann ja sogar regnerisch waren, erstrahlt die Stadt jetzt in besonderem Glanz. Es ist schon vier Uhr, als ich im Hotel ankomme und nach einer kurzen Dusche mache ich mich auf, um mir gleich drei Parkanlagen anzuschauen. Zwei davon am nördlichen Teil der verbotenen Stadt und eine weiter im Süden gelegene. In der Reihenfolge sind das von unten noch oben bzw. von rechts nach links: Der Park des Himmelstempels, der Jingshan- und den Beihaipark.
Mein erstes Ziel ist also der Park des Himmelstempels, der vor allem mit einem wirklich atemberaubendem Bauwerk glänzen kann. Der Halle des Erntegebets. Muss man gesehen haben. Aber schaut euch auch hier einfach mal die Bilder an – traumhaft. Die Sonne steht schon relativ tief, als ich meine beiden nächsten Stationen ansteuere. Ein warmes, goldenes Licht breitet sich über die Stadt und ich genieße es noch ein wenig, die große „Jingshan Front Street“ entlang zu spazieren, den Blick auf die Nordmauer der verbotenen Stadt mit ihren kunstvollen Wachtürmen und den sie umgebenden Wassergraben. s. Foto.
Dann begebe ich mich in den Jingshan-Park. Es ist sehr angenehme 1 - 2 Grad kühler und ich erblicke zu meiner Überraschung einen großen Hügel oder eher einen kleinen Berg, der sich vor mir emporhebt. Zwischen sehr alten Bäumen, gepflegten Rasenflächen und Beeten unterschiedlichster Natur mache ich mich an den Aufstieg, um zu schauen, was es oben zu sehen gibt. Da der Sonnenuntergang schon in den Startlöchern steht und ich ahne, dass es oben eine gute Aussicht geben muss, bringe ich die wahrscheinlich 50 Höhenmeter in gehobenem Tempo hinter mich und erreiche schließlich mit hängender Zunge die Spitze des Berges. Hier haben sich schon viele Menschen eingefunden, um im warmen Abendlicht der untergehenden Sonne den Panoramablick über Peking zu genießen. Denn tatsächlich ist die Weitsicht nach den Regenfällen ein paar Tage zuvor heute fantastisch und man kann die einzelnen Distrikte Pekings und sogar die fernen Berge des Taihang-Gebirges im Westen von hier oben gut erkennen. Dieser kleine Berg trägt also zu recht seine passende Bezeichnung: Panoramaberg, wie ich später nachlesen kann. Der eigentliche Sonnenuntergang setzt dem ganzen zu guter letzt dann noch die Krone auf.
Im violett blauen Restlicht der bereits untergegangenen Sonne gehe ich dann noch schnell zum direkt nebenan gelegenen Beihai-Park. Ein wunderschöner Park mit kunstvollen Brücken, einem schönen See, Tempelanlagen, Seerosen und den typischen roten Lampignons, die die Winkel und Gänge geheimnisvoll erleuchten.
Die verbotene Stadt:
Nachdem wir uns am Tage unserer Ankunft ja nicht hier hinein getraut haben, war es heute also soweit. Aber zu Anfang erst einmal wieder kurz die Eckdaten: Eingefasst von ca. 3,5km Mauer ist sie in der Zeit von 1421 - 1911 für ca. 500jahre der Sitz der allmächtigen Kaiser Chinas gewesen. Sie ist 961m lang, 753m breit und wird von einem 52m breiten Wassergraben eingefasst. Erst ab 1923 ist der Zutritt für das "einfache Volk" erlaubt. Auch allen männlichen Wesen war der Zutritt zur "verbotenen Stadt" verwehrt, außer Mitgliedern der kaiserlichen Familie und den Eunuchen. Zum Teil lebten dort 4000 Menschen. Knapp 900 Paläste und jede Menge Pavillons. 9.999 Räume (10.000 hat nur der Himmel).
Die Stadt ist zwar eher ein Stadtviertel, aber auch ein Stadtviertel ist nicht in zwei Stunden zu erschließen. Erst recht nicht, wenn es vollgepackt ist mit geschichtlicher Relevanz, dem Werk großer chinesischer Künstler, prachtvoller Architektur und noch dazu ausgestattet mit der Exklusivität, um die 500 Jahre lang nur den kaiserlichen Familien und deren Günstlingen vorbehalten gewesen zu sein. Also habe ich mir, mehr oder weniger, den ganzen Tag dafür reserviert. Der Tag ist sonnig, und so strahlt die Stadt noch ein bisschen mehr als sonst, als ich sie so gegen 11:00h betrete. Es ist ein riesiges Freiluftmuseum, und so kann ich vom ersten Augenblick an die Prachtarchitektur des mittelalterlichen Chinas bewundern, und zwar vom Besten, was die damalige Zeit so zu bieten hatte. Man kann in alle Gebäude hinein und bekommt hier Einblick in das kaiserliche Leben, die Geschäfte, die Beziehungen und vor allem in das System und die Prinzipien der Erbauung. So tragen die Gebäude zum Beispiel so klingende Namen wie "Halle zur Erhaltung der Harmonie". Toll.
Um ehrlich zu sein, sprengt das Ganze aber auch in gewisser Hinsicht den Rahmen dessen, was ich aufzunehmen in der Lage bin. Mein unverbrauchtes europäisches Auge sieht schon im Alltag Beijings jede Sekunde so viele neue und spannende Dinge, dass ich hier irgendwann den Blick für die kleinen und großen Kostbarkeiten verliere. Zum Glück habe ich ja meine Kamera dabei und kann so, mir und euch, an späterer Stelle nachreichen, was sonst im Überfluss von Angebot untergegangen wäre. Schon am selben Abend habe ich wieder großen Spaß daran, mir die Bilder, die ich geschossen habe, anzusehen.
Mir persönlich hat es viel gebracht, mich im Nachhinein nochmal eingehender mit der verbotenen Stadt zu beschäftigen und Einblick zu bekommen in die Philosophie der damaligen Zeit und dem Mammutprojekt Planung und Erbauung der verbotenen Stadt.
Im Netz wird viel angeboten, was die Geschichte der verbotenen Stadt angeht, und wer Lust hat, kann ja mal auf die Suche gehen. Als Appetithappen vielleicht eine der spannenden Hintergrundgeschichten zum Bau der verbotenen Stadt: Die größte Steinplatte, die hier verbaut wurde, ist eine 16m lange, drei Meter breite und 1,7 Meter! dicke Marmorplatte mit einem Gewicht von 250 Tonnen!!! Wie bekommt man sowas transportiert? Tja, die Chinesen bohrten einfach Brunnen entlang des Transportweges, warteten auf den Winter und schütteten Wasser auf die Straßen. Die so entstandene Eisschicht war eine perfekte Unterlage, um die Marmorplatte mit Hilfe von Schlitten in die verbotene Stadt zu bringen. Noch fragen?
Um dem Tag dann noch etwas Abwechslung zu verleihen, begebe ich mich später nach Downtown, gönne mir ein leckeres Eis und schlendere noch ein wenig durch die belebten Straßen, wo ich zu meiner Überraschung mehr oder weniger mitten auf der größten Einkaufsstraße hier eine Kirche entdecke, wie sie z.B. auch in England oder Frankreich stehen könnte. s. Foto
Datong:
Reise nach Datong. Sonntagmorgen. Lange genug vorher am Bahnhof. Wo ich sonst eher schaue, dass ich nicht zu viel unnötige Zeit auf Bahnsteigen verbringe und meist mit dem kleinstnötigen Puffer unterwegs bin, bin ich an diesem Sonntagmorgen eineinhalb Stunden vor Abfahrt im Bahnhof. Schließlich alles neu. Große Wartehallen nehmen hier die Reisewilligen auf, bevor diese erst kurz vor Abfahrt des Zuges aufs Gleis gelassen werden. Spannend und nochmal anders zu deutschen Bahnhöfen sind die Heißwasser-Spender, mit deren Hilfe sich die Chinesen gerne ihre Instantsuppen zubereiten.
Ich hatte eigentlich eine Platzkarte, aber das Gedrängel, als die Gleiszugänge geöffnet werden, kann man sich kaum vorstellen. Popkonzerte und der Kampf um die erste Reihe im Innenraum sind wohl ein guter Vergleich. Ich pfeife also auf meine Platzkarte und bin nur noch froh, dass ich im Zug bin, als dieser abfährt...das haben nicht alle geschafft :-)! Jeder hat viel Gepäck dabei. Merke also: Sonntags mit dem Zug aus Peking raus zu fahren ist keine gute Idee, weil alle Leute vom Land das auch machen, nachdem sie das Wochenende in der Stadt verbracht haben. Bei Verwandten, um Besorgungen zu machen und was weiß ich nicht was. Will gar nicht wissen, wie warm es ist. Sitze auf meinem Rucksack auf einem Ministückchen Platz im Gang. Tolle Sache, so ein Rucksack.
Es wird nicht langweilig. Die bereits erwähnten Heißwasser-Spender gibt es auch im Zug...und irgendeiner hat immer Hunger und macht sich auf, den mit Leuten vollgestopften Gang aufzumischen. Aber das ist genau die Art reisen, die ich gesucht habe. Dicht an dicht mit den Leuten. Beobachten. Erleben. Aber auch der Blick nach draußen ist wunderschön. Wir fahren durch die Berge und später durch weite Ebenen. Zwar nicht durch die Bank super abwechslungsreich, aber gepaart mit all den anderen Eindrücken, Geräuschen, Gerüchen, Unterhaltungen, Gesichtern, ..., immer spannend.
Nach fünf Stunden werde ich langsam nervös und befürchte ein oder zwei Mal, den richtigen Bahnhof verpasst zu haben (ziemlich oft stehen da einfach nur chinesische Schriftzeichen). Ich versuche den Namen der Stadt, in die ich unterwegs bin, richtig auszusprechen ( und da kann man einiges falsch machen ), und es gelingt mir mit Hilfe einiger netter Chinesen und dem Zettel, den ich mir von der Rezeption meines Hotels hab ausstellen lassen, am richtigen Ort auszusteigen.
Hab mir im lonely planet ein Hotel ausgesucht und lasse mich mit einem Taxi dorthin bringen. Zimmer in Ordnung. Gehobene Mittelklasse für 35 Euro, da kann man nichts sagen. Obwohl das für chinesische Verhältnisse schon ziemlich teuer ist. Man kann viel günstiger und auch nicht schlecht wohnen, aber ich bin ja nur ein paar Tage in diesem Land und will nicht zu viel experimentieren. Lustig ist die Badezimmereinrichtung. Hätte nicht gedacht, dass hier eine Firma mit dem Namen "american standard" verbaut wird (s. Foto). Schlendere abends durch die direkte Umgebung des Hotels. Nicht sehr spannend. Aber ein kleines Gewitter ist im Anmarsch, und im aufkommenden Wind entsteht eine wunderschöne Abendstimmung, die mich noch für ein oder zwei Stunden durch die Gassen treibt.
Schön ist es hier nicht wirklich. Zweckmäßige Architektur, die auf der einen Seite zerfällt und auf der anderen neu gebaut wird. Gebaut wird wirklich sehr viel. Das sehe ich auch, als ich am nächsten Tag, angeschlossen an eine Reisegruppe, aus der Stadt rausfahre, um die "Hängenden Tempel" zu besichtigen. Diese Tempel sind einer der Gründe, warum ich Datong als Ziel gewählt habe. Datong ist nicht zu weit von Peking entfernt (nur sechs bis sieben Stunden Zugfahrt) und es vereint gleich zwei Sehenswürdigkeiten in einer Stadt. 75km vor Datong die hängenden Tempel und 20km auf der anderen Seite der Stadt die "Yinyang-Caves", wo über mehrere Jahrhunderte hinweg Buddha-Statuen in den Berg gemeißelt wurden. Alles sehr beeindruckend, aber ich schreibe hierzu jetzt nicht zu viel. Soll ja kein Reiseführer für Datong werden :-). Schaut euch die Bilder an.
Ein Traum ist die Rückfahrt. Ich habe in der Reisegruppe ein paar Leute kennengelernt, und wir verabreden uns in der Stadt noch zum Essen, um ein Bier zusammen zu trinken. Alle wollen heute noch weiter und müssen auf ihre Züge warten. Nach einem sehr angenehmen Abend geht es jetzt auf dem Bahnhof sehr gemächlich zu, und das liegt nicht einzig und allein an meiner entspannten Haltung. Ich habe mich dazu entschlossen, den Nachtzug zu nehmen und ein Bett zu buchen. Fantastisch! Mit meinem Walkman auf dem Ohr genieße ich noch eine gute Stunde die Fahrt durch die Nacht, um dann ein bisschen zu schlafen. In den zwei Dreistockbetten meiner Sechs-Mann-Kabine zwar nicht durchgehend möglich, aber immerhin knapp 2qm nur für mich alleine. So gegen sieben komme ich in Beijing an und gönne mir mal wieder ein Taxi ins Hotelbett. Das habe ich in meinem angestammten Hotel reserviert, um da die Nachtruhe noch ein wenig zu erweitern. Schön, wieder zu Hause zu sein. Um 11h geht aber der Wecker, denn ich habe nur noch einen Tag und den will ich nicht im Bett verbringen.
Tianjin:
Ich habe mich dazu entschlossen, in die Stadt Tianjin zu fahren, von der ich glaube, dass sie am Meer liegt und ich dort auch einen Strand finde, an dem ich mich bräunen kann, um dann ins Meer zu springen, wenn mir danach ist. Am letzten Tag also kein Sightseeing, keine Stadt und nicht zu viele Leute. Tja, wie man sich bei der Formulierung schon denken kann, wird daraus nichts, weil Tianjin zwar als Hafenstadt deklariert wird, sich das Meer dann aber doch zu weit weg befindet, als dass man vom Bahnhof dort so einfach hinkommt, darüber hinaus die Gegend eher industriell bebaut ist und auch sonst weit und breit kein Badestrand vorhanden ist. Sei´s drum. So ist das Highlight des Tages zwar nicht der ersehnte Badestrand, aber dennoch ein erwähnenswertes. Um ein bisschen Zeit zu sparen, fahre ich nämlich mit dem Hochgeschwindigkeitszug, der Beijing mit Tianjin verbindet, und der hat´s wirklich in sich. Erst seit dem Jahr 2008 verbindet er in nur 30min. diese 115km voneinander entfernten Städte. Ja gut denkt ihr, jetzt is´ er also schnell Zug gefahren. Aber 326km/h sind schon ´n echter Knaller. Das fetzt und macht Spaß, vor allem weil ich am selben Morgen noch mit einem Bummelzug und ca. 50km/h über die Gleise gerattert bin. Nachdem ich also einen entspannten halben Tag in einer nicht ganz so aufregenden Stadt verbracht habe, entschädigt mich auch die Rückfahrt mit diesem kleinen Adrenalinkick.
Abends auf der Barmeile um die Ecke genieße ich noch ein wenig das bunte Treiben in mittlerweile gewohnter Umgebung und begebe mich auf die Suche nach kleinen Mitbringseln für die Daheimgebliebenen, die ich in den zahlreichen kleinen Lädchen hier gut finden kann.
Am nächsten Morgen sitze ich noch ein wenig im gemütlichen Innenhof meines Hutonghotels und bade ein wenig in den Erinnerungen der vergangenenen Tage. Gleich geht es zurück. Ich bin gespannt, was die anderen zu berichten habe, wenn ich sie am Flughafen wiedersehe. Und ich freue mich sehr, nach so langer Zeit so weit von zu Hause weg, meine Familie wiederzusehen, denen ich viel zu erzählen habe. Ich habe hier unglaublich intensive Tage verbracht. Eine tolle Zeit mit vielen Erlebnissen und Eindrücken, die durch meinen Kopf rauschen und erst mal sortiert werden müssen. Ungefähr 1000 Fotos, die ich schon allein aus dem Grund aufgenommen habe, um es den Asiaten vor dem Kölner Dom heimzuzahlen, werden mir dabei helfen... :-)! Danke „Xiexie“ China!
Dank auch an Caro Huder, dafür, dass sie uns dem Goethe Institut ans Herz gelegt hat und für die ganze Orga im Hintergrund. Natürlich auch Dank an das Goethe Institut für das Vertrauen in uns.